Prostatitis – Symptome, Ursachen und Behandlung der Prostataentzündung

Prostatitis – Symptome, Ursachen und Behandlung der Prostataentzündung

Brennen beim Wasserlassen, ein dumpfer Druck zwischen Hodensack und After, vielleicht sogar Fieber? Hinter solchen Beschwerden kann eine Prostatitis stecken – eine Entzündung der Prostata. Sie ist eine der häufigsten urologischen Erkrankungen bei Männern unter 50, kommt aber in jedem Alter vor. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Formen es gibt, woran Sie eine Prostataentzündung erkennen und wie sie behandelt wird.

Inhalt: Was ist Prostatitis? · Formen · Symptome · Ursachen und Risikofaktoren · Diagnose · Behandlung · Was Sie selbst tun können · Blase, Erektion, Fruchtbarkeit · Häufige Fragen

Was ist eine Prostatitis?

Die Prostata (Vorsteherdrüse) ist etwa so groß wie eine Kastanie. Sie liegt direkt unterhalb der Harnblase und umschließt den oberen Teil der Harnröhre. Ihre Hauptaufgabe ist die Bildung eines Teils der Samenflüssigkeit. Ist die Prostata entzündet, spricht man von einer Prostatitis oder Prostataentzündung.

Weil die Prostata so eng mit Harnröhre und Blase verbunden ist, betreffen die Beschwerden häufig das Wasserlassen – aber auch den Beckenbereich und die Sexualität. Schätzungen zufolge haben etwa 2 bis 10 Prozent aller Männer Beschwerden, die zu einer Prostatitis passen; viele erleben sie mindestens einmal im Leben.

Welche Formen der Prostatitis gibt es?

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden vier Formen. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie sich in Ursache und Behandlung deutlich unterscheiden:

Form Typische Merkmale Häufigkeit
Akute bakterielle Prostatitis plötzlicher Beginn, Fieber, starkes Krankheitsgefühl, Schmerzen beim Wasserlassen selten
Chronische bakterielle Prostatitis wiederkehrende Harnwegsinfekte mit denselben Bakterien, mildere Beschwerden selten
Chronische abakterielle Prostatitis / chronisches Beckenschmerzsyndrom Schmerzen im Becken über mindestens drei Monate, keine Bakterien nachweisbar mit Abstand am häufigsten
Asymptomatische Prostatitis keine Beschwerden, Entzündung fällt nur zufällig bei Untersuchungen auf Zufallsbefund

Symptome: Woran erkennen Sie eine Prostataentzündung?

Bei akuter bakterieller Prostatitis

  • plötzliches Fieber, Schüttelfrost und starkes Krankheitsgefühl
  • Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen
  • häufiger, dringender Harndrang, auch nachts
  • Schmerzen im Damm (zwischen Hodensack und After), im Unterbauch oder beim Stuhlgang
  • schwacher Harnstrahl bis hin zum Harnverhalt – die Blase lässt sich nicht mehr entleeren

Wichtig: Die akute Prostatitis ist ein Fall für die sofortige ärztliche Behandlung. Bei Fieber mit Schmerzen beim Wasserlassen oder wenn Sie gar kein Wasser mehr lassen können, suchen Sie umgehend eine Arztpraxis oder Notaufnahme auf.

Bei chronischer Prostatitis und Beckenschmerzsyndrom

  • dumpfe, ziehende Schmerzen im Becken, im Damm, in Hoden, Penis, Leiste oder unterem Rücken
  • Beschwerden beim Wasserlassen: häufiger Harndrang, Brennen, schwacher Strahl, Nachträufeln
  • Schmerzen beim oder nach dem Samenerguss
  • Beschwerden, die beim langen Sitzen zunehmen
  • Beschwerden, die über Wochen kommen und gehen

Die chronische Form ist zwar nicht gefährlich, belastet viele Männer aber stark – körperlich wie seelisch. Es lohnt sich, sie konsequent behandeln zu lassen.

Ursachen und Risikofaktoren

Bakterielle Prostatitis

Bakterien – meist Darmbakterien wie E. coli – gelangen über die Harnröhre in die Prostata. Das Risiko steigt unter anderem durch:

  • Harnwegsinfekte und Blasenentzündungen
  • einen Blasenkatheter oder Eingriffe an Harnröhre und Prostata, etwa eine Gewebeprobe (Biopsie)
  • Abflussstörungen, z. B. durch eine Harnröhrenverengung oder eine vergrößerte Prostata
  • sexuell übertragbare Erreger, vor allem bei jüngeren Männern
  • ein geschwächtes Immunsystem, z. B. bei Diabetes

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

Bei der häufigsten Form finden sich keine Bakterien. Die genaue Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Vermutet wird ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: eine verspannte Beckenbodenmuskulatur, eine Reizung der Nerven im Beckenbereich, frühere Infekte, Entzündungsprozesse ohne Erreger sowie Stress und psychische Belastung. Langes Sitzen kann die Beschwerden verstärken.

Diagnose: Was beim Urologen passiert

Erste Anlaufstelle ist die Hausarzt- oder Urologiepraxis. Typische Untersuchungsschritte sind:

  • Gespräch über Beschwerden, Dauer und Vorerkrankungen – oft mit einem kurzen Fragebogen zu Schmerz und Wasserlassen
  • Urinuntersuchung auf Bakterien und Entzündungszeichen, gegebenenfalls mit Anlegen einer Bakterienkultur
  • Tastuntersuchung der Prostata über den Enddarm – bei akuter Entzündung nur sehr vorsichtig
  • Ultraschall von Prostata, Blase und Nieren sowie die Messung des Restharns
  • bei Bedarf Blutuntersuchung; der PSA-Wert kann während einer Entzündung vorübergehend erhöht sein

Mehr zur Prostata und ihren typischen Beschwerden lesen Sie in unserem Ratgeber Harninkontinenz und die Prostata.

Behandlung der Prostatitis

Bakterielle Prostatitis

Eine bakterielle Prostatitis wird mit Antibiotika behandelt. Weil Medikamente schlecht in das Prostatagewebe gelangen, dauert die Therapie meist mehrere Wochen – bei der chronischen Form oft länger als bei der akuten. Nehmen Sie die Tabletten unbedingt so lange ein wie verordnet, auch wenn die Beschwerden schon vorher nachlassen. Bei schwerem Verlauf ist eine Behandlung im Krankenhaus nötig. Kann die Blase nicht mehr entleert werden, legt der Arzt vorübergehend einen Katheter.

Chronisches Beckenschmerzsyndrom

Hier gibt es kein einzelnes Mittel, das bei allen hilft. Bewährt hat sich eine Kombination verschiedener Bausteine, abgestimmt auf die Beschwerden:

  • Medikamente, die die Muskulatur an Blasenhals und Prostata entspannen und das Wasserlassen erleichtern
  • Schmerz- und entzündungshemmende Mittel
  • Physiotherapie mit Schwerpunkt Beckenboden – hier geht es vor allem um Entspannung und Wahrnehmung der Muskulatur, nicht nur um Kräftigung
  • Wärmeanwendungen und Entspannungsverfahren
  • psychologische Unterstützung oder Sexualberatung, wenn die Beschwerden die Lebensqualität oder Partnerschaft belasten

Welche Bausteine für Sie sinnvoll sind, besprechen Sie mit Ihrem Urologen. Geduld zahlt sich aus: Bei vielen Männern bessern sich die Beschwerden über Wochen bis Monate deutlich.

Was Sie selbst tun können

  • Ausreichend trinken: etwa 1,5 bis 2 Liter über den Tag verteilt, damit Blase und Harnwege gut gespült werden – sofern ärztlich nichts anderes empfohlen wird.
  • Reizstoffe reduzieren: Alkohol, Kaffee, sehr scharfe Speisen und kohlensäurehaltige Getränke verstärken bei vielen Männern die Beschwerden.
  • Wärme: Ein warmes Sitzbad oder eine Wärmflasche entspannt die Beckenmuskulatur. Kälte und Durchnässung, etwa auf kalten Steinen oder in nasser Badehose, besser vermeiden.
  • Sitzen entlasten: Längeres Sitzen regelmäßig unterbrechen, ein weiches Sitzkissen oder ein Kissen mit Aussparung nutzen. Beim Radfahren hilft ein Sattel mit Damm-Entlastung.
  • Verdauung in Schwung halten: Ballaststoffreiche Ernährung und Bewegung beugen Verstopfung vor – starkes Pressen belastet den Beckenbereich.
  • Beckenboden bewusst entspannen: Ruhige Bauchatmung und gezieltes Loslassen der Beckenbodenmuskeln können bei Beckenschmerzen helfen. Lassen Sie sich die Übungen am besten von einer Physiotherapeutin oder einem Physiotherapeuten zeigen. Grundlagen finden Sie in unserem Ratgeber Beckenbodentraining.
  • Stress reduzieren: Bewegung, ausreichend Schlaf und Entspannungsverfahren wirken sich bei vielen Männern positiv auf die Beschwerden aus.

Prostatitis und Blase, Erektion und Fruchtbarkeit

Beschwerden beim Wasserlassen

Häufiger Harndrang, nächtliche Toilettengänge und Nachträufeln gehören zu den typischen Begleiterscheinungen – vor allem bei der chronischen Form. Bis die Behandlung wirkt, geben dünne Einlagen für Männer oder Inko-Unterwäsche im Alltag Sicherheit. Mehr zum nächtlichen Harndrang lesen Sie in unserem Ratgeber Nykturie, zu häufigem, plötzlichem Harndrang im Ratgeber Reizblase.

Erektion und Sexualität

Schmerzen beim Samenerguss und die seelische Belastung durch anhaltende Beschwerden können sich auf die Lust und die Erektion auswirken. Sprechen Sie das offen bei Ihrem Arzt an – es ist ein häufiges und gut behandelbares Thema. Hintergründe und Hilfen finden Sie in unserem Ratgeber Potenzprobleme: Ursachen, Symptome & was hilft.

Fruchtbarkeit

Eine chronische Entzündung kann die Qualität der Spermien vorübergehend beeinträchtigen. Eine dauerhafte Unfruchtbarkeit durch eine Prostatitis ist jedoch selten. Bei unerfülltem Kinderwunsch sollte die Entzündung gezielt abgeklärt und behandelt werden.

Häufige Fragen zur Prostatitis

Ist eine Prostatitis ansteckend?

Die meisten Prostataentzündungen sind nicht ansteckend. Wird die Entzündung jedoch durch sexuell übertragbare Erreger ausgelöst, kann die Partnerin oder der Partner betroffen sein und sollte gegebenenfalls mitbehandelt werden. Bis zur Abklärung empfiehlt sich Safer Sex.

Wie lange dauert eine Prostataentzündung?

Eine akute bakterielle Prostatitis klingt mit Antibiotika meist innerhalb weniger Wochen ab. Die chronische Form und das Beckenschmerzsyndrom verlaufen oft über Monate und in Schüben; mit einer passenden Kombinationsbehandlung bessern sich die Beschwerden bei vielen Männern deutlich.

Ist Prostatitis gefährlich?

Die akute bakterielle Form kann unbehandelt schwer verlaufen, etwa mit einem Abszess oder einer Blutvergiftung. Sie gehört daher schnell in ärztliche Hände. Die chronische Form ist nicht gefährlich, aber belastend.

Erhöht eine Prostatitis das Krebsrisiko?

Eine Prostatitis ist keine Vorstufe von Prostatakrebs. Der PSA-Wert kann während einer Entzündung allerdings erhöht sein – deshalb sollte er nach Abklingen der Entzündung erneut bestimmt werden.

Darf ich bei einer Prostatitis Sex haben?

Bei einer akuten, fieberhaften Entzündung sollten Sie pausieren. Bei der chronischen Form spricht in der Regel nichts gegen Sex, solange er nicht schmerzhaft ist; manche Männer empfinden regelmäßige Samenergüsse sogar als entlastend. Klären Sie im Zweifel mit Ihrem Arzt ab, was für Sie passt.

Hilft Radfahren oder schadet es?

Langes Sitzen auf einem harten, schmalen Sattel kann die Beschwerden verstärken. Ein Sattel mit Aussparung, eine aufrechte Sitzposition und regelmäßige Pausen helfen. Bewegung an sich ist gesund und sinnvoll.

Hinweis: Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Bitte besprechen Sie Diagnose, Therapie und die Auswahl von Hilfsmitteln mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.