Potenzprobleme: Ursachen, Symptome & was hilft

Mann mit Potenzproblemen liegt neben Frau im Bett

Potenzprobleme sind für viele Männer ein schwieriges Thema – und werden deshalb oft lange verschwiegen. Gelegentliche Schwierigkeiten mit der Erektion sind normal und noch keine Erektionsstörung. Treten die Probleme aber über Wochen oder Monate immer wieder auf, sollten Sie sie ernst nehmen: Eine erektile Dysfunktion kann die Lebensqualität, das Selbstwertgefühl und die Partnerschaft belasten – und sie kann ein frühes Warnzeichen für andere Erkrankungen sein.

Mann sitzt verzweifelt auf Bett wegen Potenzproblemen

In diesem Ratgeber erfahren Sie, was man unter Impotenz bzw. erektiler Dysfunktion versteht, welche Ursachen dahinterstecken können, wie die Diagnose abläuft und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt – mit und ohne Medikamente.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Lassen Sie anhaltende Erektionsprobleme bitte von Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt bzw. in der Urologie abklären.

Was ist Impotenz (erektile Dysfunktion)?

Medizinisch spricht man von einer erektilen Dysfunktion, wenn eine für befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion über einen längeren Zeitraum (meist mindestens sechs Monate) in der Mehrzahl der Versuche nicht erreicht oder nicht gehalten werden kann. Umgangssprachlich ist oft von Impotenz oder Potenzstörung die Rede. Davon zu unterscheiden sind eine verminderte Lust (Libidostörung) und Probleme mit dem Samenerguss.

Erektionsstörungen sind weit verbreitet und nehmen mit dem Alter zu. Sie sind also kein Grund zur Scham – aber ein guter Grund, mit einer Ärztin oder einem Arzt zu sprechen.

Ursachen von Potenzproblemen

Potenzstörungen können körperliche oder psychische Ursachen haben. Häufig wirken beide Faktoren zusammen: Ein körperliches Problem erzeugt Druck und Versagensangst – und diese Anspannung verstärkt die Erektionsschwäche zusätzlich.

Mann fasst sich an Hose wegen Potenzproblemen

Psychische Ursachen

Vor allem bei jüngeren Männern spielen Stress, Leistungsdruck, Ängste, depressive Verstimmungen oder Beziehungsprobleme eine große Rolle. Ein Hinweis auf eine psychische Ursache: Die Probleme treten nur in bestimmten Situationen auf, während Erektionen bei der Selbstbefriedigung oder nachts bzw. morgens normal vorhanden sind. Auch dafür gibt es wirksame Hilfe, etwa durch Sexual- oder Psychotherapie.

Körperliche Ursachen

Mit zunehmendem Alter werden körperliche Ursachen wahrscheinlicher. Für eine Erektion müssen sich die Schwellkörper im Penis mit Blut füllen. Ist die Blutzufuhr gestört oder fließt das Blut zu schnell wieder ab, bleibt die Erektion aus oder lässt zu früh nach. Häufige Ursachen sind:

  • Durchblutungsstörungen und Arteriosklerose
  • Diabetes mellitus
  • Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen
  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Rauchen, hoher Alkoholkonsum und Drogen
  • Hormonelle Störungen, z. B. Testosteronmangel oder Schilddrüsenerkrankungen
  • Nervenschäden, z. B. durch Operationen im Becken wie eine Prostataentfernung, durch Multiple Sklerose oder Bandscheibenschäden
  • Medikamente, z. B. bestimmte Antidepressiva, Blutdrucksenker oder Hormonpräparate – setzen Sie diese aber nie eigenmächtig ab, sondern sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt

Nach einer Prostata-Operation sind Erektionsstörungen besonders häufig. Was dann hilft, lesen Sie in unserem Ratgeber Erektionsstörung nach Prostata-OP.

Erektionsstörungen als Warnsignal

Weil die Blutgefäße im Penis sehr fein sind, zeigen sich Gefäßveränderungen dort oft früher als an Herz oder Gehirn. Anhaltende Erektionsprobleme können deshalb ein frühes Warnzeichen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein. Auch das ist ein Grund, sie ärztlich abklären zu lassen.

Körperliche oder psychische Ursache? Erste Hinweise

Grafik von Penis für Veranschaulichung von Potenzproblemen

Ob die Ursache eher körperlich oder psychisch ist, lässt sich anhand einiger Anhaltspunkte einschätzen – die Diagnose stellt aber immer die Ärztin oder der Arzt:

  • Eher psychisch: plötzlicher Beginn, Probleme nur in bestimmten Situationen oder mit bestimmten Partnern, nächtliche und morgendliche Erektionen sind vorhanden.
  • Eher körperlich: schleichender Beginn, Probleme in allen Situationen, auch bei der Selbstbefriedigung, nächtliche Erektionen bleiben aus.

Diagnose: Was passiert beim Arzt?

Erste Ansprechpartner sind die Hausarztpraxis und die Urologie. Am Anfang steht ein vertrauliches Gespräch über Ihre Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamente, Lebensstil und Partnerschaft. Danach folgen je nach Bedarf Untersuchungen wie:

  • Blutdruck- und Pulsmessung
  • Untersuchung von Genitalien und Prostata
  • Blutwerte (z. B. Blutzucker, Blutfette, Testosteron)
  • Ultraschalluntersuchung der Penisgefäße
  • ggf. Schwellkörperinjektionstest oder Messung der nächtlichen Erektionen

Werden dabei Hinweise auf Gefäß- oder Herzerkrankungen gefunden, überweist die Praxis an die passenden Fachärzte.

Mann führt Gespräch mit Arzt wegen Potenzproblemen

Was hilft bei Potenzproblemen? Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Häufig werden mehrere Ansätze kombiniert. Offene Gespräche mit der Partnerin oder dem Partner sind dabei fast immer hilfreich.

Lebensstil: die natürliche Basis

Wer nach natürlichen Wegen sucht, die Potenz zu unterstützen, sollte beim Lebensstil anfangen. Das wirkt nicht über Nacht, betrifft aber genau die Risikofaktoren, die die Gefäße schädigen:

  • regelmäßige Bewegung, vor allem Ausdauersport
  • Abbau von Übergewicht
  • Rauchstopp und weniger Alkohol
  • ausgewogene Ernährung, z. B. nach dem Vorbild der Mittelmeerküche
  • gute Einstellung von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten
  • Stressabbau und ausreichend Schlaf

Beckenbodentraining

Die Beckenbodenmuskulatur ist an der Erektion beteiligt. Gezieltes Beckenbodentraining kann – am besten unter physiotherapeutischer Anleitung – eine sinnvolle Ergänzung sein.

Vorsicht bei „natürlichen Potenzmitteln" aus dem Internet

Für pflanzliche Potenzmittel und Nahrungsergänzungsmittel gibt es meist keine ausreichenden wissenschaftlichen Wirksamkeitsbelege. Behörden warnen zudem regelmäßig vor angeblich „rein natürlichen" Produkten, die nicht deklarierte Arzneistoffe enthalten und gefährliche Wechselwirkungen auslösen können. Kaufen Sie Potenzmittel deshalb nie aus unsicheren Quellen und sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Rezeptfreie Alternative zu Potenztabletten: Vakuum-Erektionshilfen

Viele Männer suchen nach einer rezeptfreien Alternative zu Potenztabletten – etwa weil sie diese nicht vertragen, nicht einnehmen dürfen (z. B. bei Einnahme von Nitraten) oder keine Medikamente möchten. Eine seit vielen Jahren etablierte, medikamentenfreie Möglichkeit ist die Vakuumtherapie:

  • Ein Zylinder wird über den Penis gesetzt, eine Pumpe erzeugt Unterdruck. Dadurch strömt Blut in die Schwellkörper.
  • Ein Stauring an der Peniswurzel hält das Blut anschließend für den Geschlechtsverkehr im Penis (maximal 30 Minuten).
  • Ohne Stauring wird die Vakuumpumpe auch zum Schwellkörpertraining eingesetzt, z. B. nach einer Prostataentfernung.

In unserem Shop finden Sie medizinische Penispumpen und Erektionshilfen, zum Beispiel:

Passende Stauringe und Penisringe finden Sie unter Erektionsringe. Mehr Hintergrund bieten unsere Ratgeber Was bringt eine Penispumpe? und Was bringt ein Penisring?

Wichtig: Bei Blutgerinnungsstörungen, Einnahme blutverdünnender Medikamente oder Sichelzellanämie sollten Vakuum-Erektionshilfen nur nach ärztlicher Rücksprache verwendet werden. Bitte beachten Sie immer die Gebrauchsanweisung. Bei ärztlicher Verordnung übernimmt die Krankenkasse die Kosten unter Umständen ganz oder teilweise – fragen Sie im Zweifel bei Ihrer Kasse nach.

Medikamente gegen Erektionsstörungen

Am häufigsten werden PDE-5-Hemmer (Phosphodiesterase-5-Hemmer) eingesetzt, z. B. die Wirkstoffe Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil. Sie verbessern die Durchblutung des Penis bei sexueller Erregung, steigern aber nicht die Lust. PDE-5-Hemmer sind in Deutschland verschreibungspflichtig. Sie dürfen nicht zusammen mit Nitraten eingenommen werden und sind nicht für jeden geeignet – deshalb gehört die Entscheidung in ärztliche Hände.

Medikamente auf Hand gegen Potenzprobleme

Weitere Therapien

  • Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT): Ein Wirkstoff wird mit einer feinen Nadel direkt in den Schwellkörper gespritzt.
  • MUSE: Ein Wirkstoff wird als kleines Stäbchen in die Harnröhre eingebracht.
  • Testosterontherapie: bei nachgewiesenem Testosteronmangel.
  • Sexual- und Psychotherapie: bei psychischen Ursachen, auch begleitend.
  • Penisprothese: eine operative Möglichkeit, wenn andere Verfahren nicht ausreichen; es gibt semirigide und hydraulische Modelle.

Häufige Fragen zu Potenzproblemen

Ab wann spricht man von Impotenz?

Von einer erektilen Dysfunktion spricht man in der Regel, wenn eine ausreichende Erektion über mindestens sechs Monate in der Mehrzahl der Versuche nicht zustande kommt oder nicht gehalten werden kann. Einzelne „Aussetzer" sind normal.

Gibt es eine rezeptfreie Alternative zu Potenztabletten?

Ja. Vakuum-Erektionshilfen sind rezeptfrei erhältlich und wirken ohne Medikamente rein mechanisch. Ob sie für Sie geeignet sind, besprechen Sie am besten mit Ihrer Urologin oder Ihrem Urologen.

Helfen natürliche Potenzmittel?

Für pflanzliche Präparate fehlen meist überzeugende Belege. Gut belegt ist dagegen, dass Bewegung, Gewichtsabnahme, Rauchstopp und eine gute Einstellung von Blutzucker und Blutdruck die Gefäßgesundheit verbessern. Von Mitteln aus unsicheren Internetquellen ist abzuraten.

Zu welchem Arzt gehe ich bei Potenzproblemen?

Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis oder direkt die Urologie. Bei psychischen Ursachen können Sexualtherapeuten oder Psychotherapeuten helfen.

Zusammenfassung

Potenzprobleme sind häufig und gut behandelbar. Lassen Sie anhaltende Erektionsstörungen ärztlich abklären – auch, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Hormonstörungen frühzeitig zu erkennen. Je nach Ursache kommen ein gesünderer Lebensstil, Beckenbodentraining, Vakuum-Erektionshilfen, Medikamente oder psychologische Unterstützung infrage – oft in Kombination. Bei Fragen zu unseren Erektionshilfen beraten wir Sie gerne persönlich und diskret.